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Elektromobilität ist zur Zeit in aller Munde, deswegen habe ich mir mal den Tesla Model S angeschaut und probe gefahren. Die Bundesregierung hat ja das große Ziel, bis 2020 1 Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen. Allerdings tut sie nicht viel dafür. Die Modellauswahl ist noch äußerst begrenzt, obwohl BMW mit dem i3 und i8, als auch VW mit dem eGolf so langsam in Fahrt kommen. Tesla ist da vor zwei bereits Jahren vor geprescht.

Wer bisher ein Elektroauto fahren wollte, musste jede Menge Abstriche in Sachen Größe und Komfort machen. Entweder sah es aus, wie der Messerschmidt Kabinenroller, oder es hatte den Charme eines Fiat 500. Teslas Geschäftsführer Elon Musk hatte da eine andere Idee und brachte vor ziemlich genau 2 Jahren das Tesla Model S heraus. Angefangen hat Tesla mit einem modifizierten Umbau der Lotus Elise, dem Tesla Roadster, der auch schon recht erfolgreich lief. Doch die Geschichte könnt ihr Euch selbst ergoogeln, ich möchte hier von meiner Probefahrt berichten.

Die Kontaktaufnahme

Am 24.06. hat Tesla Motors auf ihrem Google+ Profil einen Link geteilt, unter dem man sich für eine Probefahrt anmelden konnte. Bis dato war es mir gar nicht in den Sinn gekommen, dass so etwas hier in Deutschland möglich ist. Da sieht man mal, wie wenig Werbung Tesla hierzulande macht. Bei dem Gespräch mit dem Kundenbetreuer hier in Berlin, wurde mir übrigens erzählt, dass man gerne Probefahrten vereinbart, auch wenn kein direktes Kaufinteresse besteht. Man möchte einfach durch Mund zu Mund Propaganda bekannt werden. Falls ihr also auch eine Probefahrt vereinbaren möchtet, lasst euch auf der Tesla Webseite einen Termin geben.

Da ich berufsbedingt erst recht spät kann, wurde es bei mir der 22. Juli 17:00 Uhr. Ihr glaubt nicht, wie neugierig ich auf den Tag gewartet habe…

Die Begrüßung und „Formalitäten“

Das Verkaufsbüro von Tesla Motors befindet sich zur Zeit noch in Berlin Schönefeld, gleich um die Ecke beim BER, in einem unscheinbaren Industriegebiet. Es wird aber bald am Kurfürstendamm ein Ladengeschäft eröffnet, um auch die „Laufkundschaft“ anzusprechen.

Vor Ort angekommen, wurde ich freundlich von sämtlichen im Raum befindlichen Angestellten begrüßt. Das habe ich weder so bei Mercedes, VW oder BMW erlebt. Da können die sich in einfachen Sachen der Kundenfreundlichkeit eine Scheibe abschneiden. Mein Berater, der mich auch die ganze Zeit begleitet hat, erledigte kurz die Formalitäten, die stilecht mit einem iPad durchgeführt wurden. Ein paar persönliche Daten, wie überall üblich, und ein Blick auf den Führerschein genügten. Im Anschluss führte man mir ein Chassis des Model S vor, um die technischen Details zu erklären. Im Grunde sah man nur eine Aluminium Plattform. Vorne die kleinen Motorteile, wie Servolenkung, Klimaanlage und Bremskraftverstärker, sowie einige Elektronikteile. Hinten der Elektromotor mit Spannungswandler. Da bleibt eine Menge Platz.

Tesla Model S - Chassis © Wikipedia

Tesla Model S – Chassis © Wikipedia

Ich möchte hier jetzt nicht auf Details eingehen, da ich mir diese ohnehin nicht merken konnte. Genauere Informationen findet ihr auf der Tesla Webseite.

Das Model S – Eleganz pur

Im Anschluss ging es vor die Tür, nicht ohne einen Blick in die Halle zu werfen, in der gerade ein gutes Dutzend Model S stehen. Diese werden auf eine Promotour durch Deutschland vorbereitet. Doch mein Objekt der Begierde stand nicht weit weg. In elegantem schwarz strahlte der Wagen in der Sonne.

Tesla Model S - in elegantem schwarz

Tesla Model S – in elegantem schwarz

Schon so macht das Model S einen tollen Eindruck. Von der Größe her lässt er sich mit der Mercedes E-Klasse, dem BMW 5er oder VW Passat vergleichen. Die automatisch anklappbaren Spiegel lassen Platz zum durchkommen, wenn die Parklücke ein wenig eng ist und die Türgriffe fahren automatisch aus, sobald man sich mit dem Schlüssel in der Tasche der Tür nähert. Die Karosserie besticht durch eine weiche geschwungene Linie, in der alles zusammen passt. Das Heck beweist Charakter, zumindest in meinen Augen.

Tesla Model S - ein schöner Hintern...

Tesla Model S – ein schöner Hintern…

Dank dem fehlenden Motor, steht einem wie beim guten alten Käfer, vorne ein Kofferraum mit 151 Liter Volumen zur Verfügung, doch auch der hintere muss sich nicht verstecken. Zwischen 744 und 1.645 Liter sollten auch Kombiverwöhnte Autofahrer überzeugen.

Vorne und hinten ausreichend Platz

Vorne und hinten ausreichend Platz

Beam me up Scotty – das Cockpit

Nachdem ich in den bequemen Ledersitzen Platz genommen hatte, stach mir sofort das 17 Zoll Display in der Mittelkonsole ins Auge, über das der gesamte Wagen gesteuert werden kann. Das ist schon ein beeindruckender Anblick und macht einem Sorgen, wie man das während der Fahrt handhaben soll. Erfreulicher Weise beschränken sich die Stellmöglichkeiten auf die gleichen „Schalter“, die man auch in anderen Autos finden kann. Im Grunde ist der Screen viergeteilt. Ganz oben das Menü, dann je nach Wunsch Google Maps und das Multimedia- oder Informationscenter. Dieses gibt Aufschluss über den Energieverbrauch der letzten 10, 20 oder 50 Kilometer und damit auch über die Reichweite. Wer im Stau stehen sollte, kann übrigens auch ganz normal im Internet surfen. Ganz unten dann die Umweltkontrollen für Klimaanlage und Lüftung. Im Grunde hat man also ein 17 Tablet im Auto verbaut. Auf dem Parkplatz waren wir noch im Tesla WLAN eingeloggt. Für unterwegs verfügt das Tesla Model S über eine eigene SIM-Karte und UMTS Verbindung, die europaweit und kostenlos funktioniert. Sollte man ins außereuropäische Ausland reisen, kann man via eigenem Handy Hotspot und passender Karte trotzdem alle Funktionen nutzen. Wie sich die Navigation in Funklöschern verhält, konnte ich leider nicht testen, das wäre jedoch mal eine Maßnahme für die nächste Probefahrt.

Die Schaltzentrale des Model S

Die Schaltzentrale des Model S

Das Armaturenbrett besteht wie die Mittelkonsole aus einem TFT Display, wie man es in den Fahrzeugen mehrerer Premiummarken heutzutage öfter antrifft. Da ein Drehzahlmesser überflüssig ist, beschränkt sich die Anzeige auf den Tacho und einige statistische Daten zum Energieverbrauch, den man bei einem Elektroauto immer im Blick haben sollte, auch wenn die Reichweite von 500+ Kilometern bisher unerreicht ist. Während der Fahrt erscheinen rund um den Tacho gelbe oder grüne Balken, je nachdem wie hoch der aktuelle Verbrauch oder die Rückgewinnung durch die Motorbremse ist.

Der Innenraum

Der Innenraum

Die Fahrt – im Düsenjäger durch die Wolken

Nachdem mein Bertreuer die ersten 200 Meter selbst gefahren ist und mir mit einem druck auf das Strompedal (Gaspedal darf man ja nicht sagen) gezeigt hat, welche Power im Model S steckt, habe ich auf dem Fahrersitz Platz genommen. Der Sitzkomfort muss sich nicht hinter der hiesigen Oberklasse verstecken. Ein Zündschloss sucht man ebenso vergeblich, wie einen Schaltknüppel. Die stufenlose Automatik wird einfach über einen kleinen Hebel am Lenkrad auf einen der drei verfügbaren Gänge (D, N, R) gestellt. Ein Druck auf das Strompedal lässt das Model S dann losschnellen. Ich bin ja mit meinen 170 PS nicht gerade untermotorisiert, aber die Kraft die in dem Moment auf mich eingewirkt hat, war schon erstaunlich. Außer einem leisen Surren war nichts zu vernehmen… elektrisch halt. Das hat sogar die Tauben erschreckt, die vor mir auf der Straße saßen und den Wagen erst im aller letzen Moment bemerkten.

Wie Vorteilhaft solch eine Kraft sein kann, habe ich bereits an der Ausfahrt aus dem Gewerbegebiet gemerkt. Wir mussten links in eine 4 spurige Straße mit jeder Menge Verkehr einbiegen. Der Betreuer meinte, jetzt kann ich fahren, obwohl ich mit meinem Auto nie im Leben losgefahren wäre. Die Lücke schien mir eigentlich zu klein. Doch was soll es, dachte ich bei mir, wenn er meint, er kennt das Auto besser als ich. Zack waren wir raus und rüber. Das Tesla Model S liegt dank seinem tiefen Schwerpunkt durch die Batterien wie auf Schienen auf der Straße. Ehe ich es mich versah, hatte ich 90 KMH drauf… in der Stadt. Hier folgte nun die nächste Überraschung. Wenn man es nicht gewöhnt ist, bekommt man beim Fuß vom Strom nehmen einen kleinen Schreck, weil der Wagen sofort verzögert. Die Motorbremse ist sehr stark ausgeprägt. Dies lässt sich allerdings in den Einstellungen abschwächen. Dadurch reduziert sich aber die Energierückgewinnung durch den Wandler. Ich brauchte nur wenige Minuten, um mich daran zu gewöhnen und rollte so an rote Ampeln heran, ohne das Bremspedal zu betätigen. Auf meine besorgte Frage hin, wie der nachfolgende Verkehr denn darauf vorbereitet wird, wurde mir versichert, dass die Bremsleuchten in dem Moment aktiv sind, auch ohne das Bremspedal zu betätigen, was ich ohnehin selten tun musste.

So fuhren wir also durch Berlin Schönefeld, ein Stück auf die Autobahn und über die Landstrasse zurück. Ein paar mal habe ich noch die für mich unglaubliche Beschleunigung ausprobiert, um den einen oder anderem Porsche abzuhängen, aber auch nicht versäumt, meinen eigenen Fahrstil zu praktizieren. So verging eine Stunde wie im Flug und ich wollte nicht glauben, dass die Zeit schon vorbei sein sollte. Doch leider…

Ein Königreich für einen Tesla

Ein Königreich für einen Tesla

Mein Fazit – Muss Lotto spielen

Die Fahrt mit dem Tesla Model S war wirklich ein Erlebnis. Ich hätte ehrlich gesagt nicht so eine Fahrdynamik und einen Komfort erwartet, wie ich ihn letztendlich vorgefunden habe. In den letzten Monaten habe ich einige Fahrzeuge probe gefahren. Darunter Hybriden in Form des Toyota Prius Plus und den Touareg Hybrid (der übrigens vollkommen sinnlos als Hybrid ist), den BMW X1 und X 3, einen Skoda Oktavia, ein Hyundai Santa Fe und nicht zuletzt einen VW Passat. Der Tesla kann sich was Ausstattung, Qualität und Dynamik angeht auf jeden Fall in der Oberklasse einreihen. Dummerweise tut er das auch beim Preis. Das Model S mit 65 KW Akku beginnt bei 65.470 €, die 85 KW Variante schlägt dann schon mit 74.900 € zu buche, man kann aber auch bis 98.090 € für einen Vollausgestatteten P85, den Leistungsstärksten unter den Model S ausgeben. Mein Wunschmodell kostet immerhin 82.500 €, was auch eine ordentliche Hausnummer ist. Wie mir allerdings mitgeteilt wurde, könnten sich die Preise reduzieren, sobald 2017 die Tesla eigene Batteriefabrik in Produktion geht, denn der Preis für die Akkus, die extern eingekauft werden müssen, machen alleine 1/3 des Preises aus.

Wer nicht ganz soviel ausgeben kann oder möchte muss sich nur ein wenig gedulden. Gerade erst wurde das 35.000 $ Model 3 angekündigt und es folgen noch ein „Kleinwagen“ sowie ein Cabrio. Das noch nicht verfügbare Model X, ein SUV mit Flügeltüren wird preislich wohl im Rahmen des Model S liegen.

Ich kann nur eines sagen: Ich habe mich verliebt und bin mir ziemlich sciher, auf welches Auto mein Augenmerk liegt, sobald ich mal im Lotto gewinnen, oder eine eklatante Lohnerhöhung erhalten sollte. Tesla Model X