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Die Werbetexter für Frauenhygiene mögen es mir verzeihen, dass ich mir ihren Spruch entliehen habe, doch genauso sehe ich die Geschichte mit der Huffington Post. Seit dem 10.10.2013 ist diese neue Seite nun online und selten hat ein Portal die Gemüter mehr gespalten.

Ausbeuter rufen die einen, Reichweite die anderen. Gerade auf Facebook tragen Befürworter und Gegner zum Teil heftige Kämpfe aus, die auch nicht vor persönlichen Beleidigungen zurück schrecken. Von Lügnern ist die Rede, von Sklaven und von C Promis, die nicht mal das Dschungelcamp haben will.

Sicher ist nur eines: The Huffington Post hat sich das Ziel gesetzt, innerhalb von zwei Jahren unter den Top 5 der Nachrichtenportale zu sein. Dies mit einem Stamm von 15 Redakteuren und Hunderten freier Blogger, Journalisten und solchen, die es einmal werden wollen. Der Hauptkritikpunkt sind dabei die freien „Mitarbeiter“, die für ihre Arbeit nicht entlohnt werden sollen. Sicherlich kann man darüber streiten, ob es die Preise für Online Medien kaputt macht, jedoch sehe ich das Ganze etwas differenzierter.

Sicherlich ist es gerade für ein Internet Portal wirtschaftlich interessant, möglichst viel Content zu einem möglichst geringem Preis anzubieten. Im besten Fall, wie bei der Huffington Post, kostenlos. Wenn wir aber ehrlich sind, machen das viele so. Bei manchen gibt es gar keine Vergütung, bei anderen einen Teil der Werbeeinnahmen. Nehmen wir als Beispiel die MobileGeeks. Hier dürfen Gastblogger, wie ich einer bin, ihr eigenes Adsense Werbebanner einbinden. In wie weit dies für Einnahmen sorgt, hängt von der Reichweite der Seite und dem Interesse der Leser ab. Für mich sind das seit März 2013 7,53 Euro. Also auch nicht die Welt, oder?

Gerade für unbekannte Blogger, wie ich einer bin, ist es wichtig, auf sich aufmerksam zu machen. Wie geht das besser, als über Gastbeiträge auf Seiten, die eine große Reichweite haben? Angefangen habe ich auf AndroidPIT, wo mein bester Beitrag über 15.000 unique Views hatte (in zwei Tagen). Und sein wir mal ehrlich: darüber definieren wir uns doch, oder? Man möchte gelesen werden. Etwas, dass auf dem eigenen Blog nur mit einem enormen Aufwand an Content, Zeit und SEO möglich ist.

Die Bezahlung erfolgt durch die Huffington Post also durch die Reichweite. Am ersten Tag konnte sie immerhin 250.000 Visits bei 750.000 Pageimpressions einfahren. Ein Wert, der mir von keiner anderen neu gestarteten Seite bekannt ist. Ihr dürft mich aber gerne eines besseren belehren. Da ist, nach einem anfänglichen Hype, durchaus noch Luft nach oben.

Ein weiterer Kritikpunkt der Gegner ist das komplette abgeben von Urheberrechten an die Huffington Post, beziehungsweise die dahinter stehenden Unternehmen. Im Gegensatz zu gewissen sozialen Netzwerken, bei denen die Inhalte immer deine eigenen bleiben, greift die HuffPost hier voll und ganz zu:

3. (b) Wenn Sie Inhalte auf unsere Website übertragen bzw. auf dieser veröffentlichen (ungeachtet der Form oder des Trägermediums der Inhalte wie Texte, Videos, Fotos, Audiomaterial oder Sonstiges), gewähren Sie uns und der AOL EUROPE HOLDINGS (2) MEDIA & CIE S.E.N.C (Luxemburg) das übertragbare und (mit Ausnahme der Rechte gemäß § 42 des deutschen Urheberrechtsgesetzes (UrhG)) unwiderrufliche Recht, weltweit und für die gesetzliche Dauer des Rechtsschutzes von geistigem Eigentum, mit dem Recht zur Unterlizenzvergabe für die erwähnten Rechte (…)

Das ist schon starker Tobak, wie Michael Hirschler auf djv.de feststellt. Auch die Seite Internet-Law sieht die Nutzungsbedingungen kritisch, was ich durchaus nachvollziehen kann. Obwohl man sämtliche Rechte an seinem Werk abgegeben hat, soll man nämlich zur vollen Verantwortung für die Inhalte gezogen werden können:

8. Sie tragen die alleinige Verantwortung für jeglichen Schaden, der uns entsteht, falls Sie schuldhaft gegen unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen verstoßen oder Ihre Zusicherungen und Garantien schuldhaft nicht einhalten: Sie erklären Sich damit einverstanden, uns und unsere verbundenen Unternehmen sowie deren Mitarbeiter, Direktoren, Führungskräfte, Geschäftsführer, Angestellte, Aktionäre, Vertreter und Lizenzgeber von allen Verlusten, Auslagen, Schadenersatzansprüchen und Kosten einschließlich angemessener Anwaltskosten freizustellen und schadlos zu halten, die sich aufgrund Ihres schuldhaften Verstoßes gegen unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen oder gegen Ihre Zusicherungen und Garantien ergeben. Wir behalten uns das Recht vor, uns gegen jegliche Ansprüche exklusiv selbst zu verteidigen, für die wir ein Recht auf Entschädigung gemäß diesem Abschnitt 8 haben. Falls ein solcher Fall auftritt, sind Sie verpflichtet, mit uns zu kooperieren, soweit dies in einem vernünftigen Maße von uns gefordert wird.

Nun gut. Allerdings sollte man bei der Veröffentlichung von Inhalten, egal auf welcher Seite, dafür sorgen, dass man im Besitz der erforderlichen Rechte ist. Auf dem eigenen Blog ist es doch auch so, dass man für den Mist den man verzapft allein verantwortlich ist. Die einzige Ausnahme dürfte da die Arbeit im Angestelltenverhältnis sein, bei der der Arbeitgeber die Verantwortung übernimmt – zumindest teilweise.

Im Großen und Ganzen sehe ich in der Huffington Post die Chance für weniger bekannte Blogger, sich einen Namen zu machen, auch wenn die Seite im Moment eher an eine grüne Version der BILD erinnert. Die Themen sind zu Boulevard-lastig für meinen Geschmack und Perlen muss man suchen:

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So ganz nebenbei sollten sich die Macher mal Gedanken über die Positionierung der Werbeeinblendungen machen, sowie die Hintergrundfarben überdenken Rot und Blau beißen sich nämlich mit dem grün der Schrift, sodass ich die Seite, wenn, dann auf die Contentbreite beschränkt im Browser betrachte.

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Ihr dürft mir gerne eure Meinung zur Huffington Post da lassen. Ich freue mich immer über den Meinungsaustausch und stehe beiden Seiten offen gegenüber.