Entscheidung treffenDie Geschichte der Empfängnisverhütung ist eine Geschichte voller Misverständnisse. So könnte man zumindest meinen. Seit in den 60er Jahren die Pille eingeführt wurde, haben es sich die Männer dieser Welt noch einfacher gemacht, die Verantwortung bei der Verhütung an die Frau abzutreten. Nicht, dass sie sich je tiefere Gedanken gemacht haben. Seit Jahrhunderten hat die Frau dafür zu sorgen, dass dem Spaß nicht neun Monate später ein Ergebnis folgt. Update nach einer Woche…

Es ist ja auch viel zu bequem, wenn die Frau jeden Tag ein Mittelchen zu sich nimmt, welches dem Körper durch Hormone eine ständige Schwangerschaft vorgaukelt. Die damit verbundenen Nebenwirkungen vergisst er dann gerne mal. Neben möglichen Leberschäden, die auftreten können weil die chemischen Stoffe die mit der Pille zusammen geschluckt werden dort abgebaut werden müssen, steht die Pille aber auch in dem Verdacht, Brustkrebs zu fördern. Andere, weniger „schädliche“ Nebenwirkungen sollten aber jedem Mann bekannt sein, wenn auch nicht in diesem Zusammenhang. Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gereiztheit, Übergewicht und Libidoverlust.

Na, welchem Mann kommt der Satz: „Schatz, ich habe Kopfschmerzen.“ bekannt vor? „Ich habe jetzt keine Lust.“ Na also. Wer hätte gedacht, dass das daran liegen könnte.

Um Männern, die auch einmal die Verantwortung übernehmen möchten, die Entscheidung zu erleichtern, möchte ich meine Erfahrung mit der Vasektomie, oder Sterilisation des Mannes, teilen.

Die Entscheidung

Bevor man sich dazu entschließt eine Vasektomie durchführen zu lassen, sollte man sich sehr genau überlegen, ob die Familienplanung tatsächlich abgeschlossen ist. Da geht es nicht nur um die jetzige Familie. Man sollte sich auch Gedanken darüber machen: Was wäre wenn?

Was wäre, wenn man sich von seiner Partnerin trennen würde? Was wäre, wenn die Partnerin stirbt? Möchte man eventuell doch noch Kinder mit einer neuen Partnerin? Sicherlich mag das jetzt ganz schnell mit einem Ich trenne mich doch nicht oder wir sind zu jung zum sterben beantwortet werden, doch man weiß ja nie. Das Leben hält manchmal ganz böse Überraschungen für uns bereit. Ich habe mir diese Gedanken ausführlich durch den Kopf gehen lassen und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich mit zwei wundervollen Söhnen absolut zufrieden bin. Im Fall der Fälle muss meine neue Partnerin dies entweder akzeptieren, oder die 30% bis 70% Chance genutzt werden, die Vasektomie wieder rückgängig zu machen. Im Gegensatz zur Eileiterunterbrechung bei der Frau, besteht diese Chance nämlich bei der durchtrennung der Samenleiter.

Auch sollte man die Entscheidung unbedingt mit seiner Partnerin zusammen treffen. Mein Urologe hat zum Beispiel darauf bestanden, dass die Einverständniserklärung auch die Unterschrift meiner Frau trägt. Für uns kein Problem, denn es war ein gemeinsamer Entschluss. Sicher ist uns dieser auch leichter gefallen, weil meine Frau früher bei einem Urologen gearbeitet hat und bei diversen Vasektomien und Refertilisierungen (Rückgängigmachung der Vasektomie) assestiert hat. So war ich, als Betroffener, über alle Einzelheiten informiert.

Die Kosten

Hier kommen wir zu einem Punkt, der meiner Meinung nach noch viel Verbesserungsbedarf hat. Die Kosten von 300 bis 500 Euro (Je nach Umfang) für eine Vasektomie werden nur in besonderen Ausnahmefällen von der Krankenkasse übernommen. Welche das genau sind, sagen die Kassen selbstverständlich nicht. Unser jüngster Sohn hat einen Gendefekt, das sogenannte Iriskolobom. Zum Glück betrifft es bei ihm nur ein Auge, so dass er ein größtenteils normales Leben haben wird. Die Chance, dass ein weiteres Kind ebenfalls einen Gendefekt haben könnte, ist also gegeben. Trotzdem wurde der Antrag auf Übernahme abgelehnt. Lieber scheint die Kasse die Kosten einer möglichen Abtreibung, die imens höher sind, zahlen zu wollen.

In meinem Fall kostete die Vasektomie 350 Euro. Darin inbegriffen waren die Beratungsgespräche, eine Teilnarkose sowie die Nachsorge. Für kleine Angsthasen, wie ich einer bin, kann ich die Teilnarkose, den sogenannten Dämmerschlaf, durchaus empfehlen. Im gegensatz zur Vollnarkose, die nicht nur den Preis nach oben treibt, sondern auch Risiken birgt, verschläft man den Eingriff komplett. Fragt Euren Urologen danach.

Der Eingriff

Ein weiterer Vorteil der Teilnarkose ist, dass man vor dem OP Termin durchaus etwas essen und trinken darf. So geht man nicht ausgehungert dort hin und ist weniger gereizt. Da ich den Eingriff ja selbst bezahle, also eigentlich ein Privatpatient bin, hatte ich eigentlich eine etwas bevorzugte Behandlung erwartet, jedoch musste ich trotzdem eine gute halbe Stunde auf die Vorbereitung warten. Danach ging aber alles ganz schnell. Man wird in den Behandlungsraum geführt, entkleidet sich unten herum ganz und setzt sich in den Behandlungsstuhl, den unsere Frauen mehrfach im Jahr besteigen müssen. Wer sich nun vor der medizinischen Assistentin (früher Arzthelferin) geniert, der kann sich in Gedanken rufen, dass diese pro Tag zig Genitalien zu sehen bekommen und diese daher mit einem anderen Auge betrachten, als man selbst die Nacktbilder in einschlägigen Zeitungen. Es besteht also kein Anlass, sich zu schämen. Da man sich vorher ausgiebig geduscht und gewaschen hat, was man unbedingt tun sollte, weil es manchmal drei Tage lang nach dem Eingriff verboten ist, belästigt auch niemanden.

Für den Dämmerschlaf legt die Assistentin nun einen Intravenösen Zugang. Dies ist der einzige Picks, den man während der gesamten OP spüren wird. Das Medikament brennt im ersten Moment etwas, so dass man das Gefühl hat, der Arm steht in Flammen, dies dauert jedoch nur wenige Sekunden… dann ist man weg.

Über den Eingriff an sich kann ich nichts erzählen, denn ich wachte erst nach ca. 30 Minuten wieder auf. Ein wenig wackelig, aber sonst top fit. Schmerzen waren keine zu spüren und der einzige Hinweis, dass überhaupt etwas stattgefunden hat, waren je ein Pflaster rechts und links am Hodensack. Ich durfte mich anziehen und wurde zu einer Liege geführt, wo meine Frau mich liebevoll in Empfang nahm. Ein Schluck Cola belebte die Geister und wir durften nach Hause.

Wichtig ist, dass man sich von jemanden abholen lässt. Dieser Dämmerschlaf hat es im Zusammenwirken mit den Medikamenten nämlich in sich. Man fühlt sich zwar fit, der Kreislauf hat aber doch eine Menge zu tun. Dies durfte ich zu Hause erfahren, als ich auf dem Weg zum Bett umgekippt bin. Nach weiteren 3 Stunden wirklich erholsamen Schlafes war dann alles wieder in Ordnung.

Die Rekonvaleszenz

Man sollte sich für die folgenden drei Tage eine gemütliche Ecke einrichten, denn der Körper braucht nun Ruhe und Erholung. Neben einem Antibiotikum, welches der Arzt verschreibt, bekommt man auch ein Schmerzmittel, das ich jedem empfehlen möchte. Auch wenn der Eingriff an sich minimalinvasiv ist, treten Schmerzen auf. Man kann es am ehesten mit den Nachwirkungen eines Trittes in die Kronjuwelen vergleichen. Nicht so stark, aber man spürt doch einen dumpfen Schmerz, der bei Bewegungslosigkeit jedoch kaum wahrzunehmen ist. Je mehr man sich in den ersten Tagen schont, desto schneller ist man wieder auf den Beinen.

Gleich am Tag nach der OP muss man nochmals beim Urologen vorstellig werden. Dieser kontrolliert dann schmerzfrei mit einem Ultraschallgerät, ob es Blutungen innerhalb des Hodensacks gibt. Diese treten allerdings äußerst selten und wenn auch nur dann auf, wenn man nicht die vorgeschriebene Ruhe eingehalten hat.

Also gönnt Euch die Ruhe, lasst Euch verwöhnen und verhätscheln und genießt die Zeit.

Das Vergnügen danach

Die Vasektomie ist nicht sofort wirksam, das sollte man beachten. Gut, in der ersten Woche hat man kaum das Verlangen auf Bewegung, doch können die restlichen Spermien in den Samenleitern bis zu acht Wochen weiter überleben. Somit ist man also noch Zeugungsfähig, bis auch diese entweder abgestorben oder abgefeuert sind. Ich habe von Fällen gelesen, in denen man bis zu dreißig Mal abfeuern soll, doch halte ich dies für Fantasiegeschichten. Wer bis zur abschließenden Untersuchung intim wird, muss also noch weiter verhüten. Nach acht Wochen gibt man beim Urologen eine Probe ab, die man freundlicher Weise bereits zu Hause entnehmen kann. Ist diese ohne lebensfähige Samenfäden, kann der Spaß ohne Hintergedanken los gehen.

Übrigens ändert sich absolut nichts an der Fähigkeit zur Erektion, oder dem Ejakulat. Alles sieht und fühlt sich noch genauso an, wie vorher. Das Ejakulat wird nämlich in der Prostata gebildet und der Anteil der Samen ist verschwindend gering.

Update nach einer Woche

Die Vasektomie ist nun eine Woche her und die Beschwerden werden immer weniger. Die Narben heilen langsam ab und jucken daher. Die Hoden sind allerdings noch etwas druckempfindlich und Treppen sollte man ganz langsam erklimmen. Weiterhin empfehle ich weiterhin nichts schweres zu heben oder zu tragen… schauen wir mal, wie es weiter geht.

Wer jetzt noch meint Angst zu haben, dem kann man sagen: Du bist nicht allein!