Vor ziemlich genau 10 Jahren bin ich mit meiner heutigen Frau von Kiel an der Ostseeküste nach Berlin gekommen. Ein Kulturschock, wenn man so sagen möchte. Obwohl man uns Nordlichtern eine gewisse unterkühltheit vorwirft, dachte ich in meinen ersten Wochen in Berlin: Was hab ich denen getan, dass sie mich so anmotzen?

Geboren und aufgewachsen bin ich an der schönen Kieler Förde, einem Ort, der im Sommer mit Touristen (Terroristen für die meisten Anwohner) überlaufen war. Ich lebte also dort, wo andere Urlaub machen. Gut, das tun die Menschen in Spitzbergen auch, nur dass ich da nie Urlaub machen würde. Aber ich schweife ab…

Die Gründe für den Umzug behalte ich mal für mich, es soll hier um den Kulturschock eines Nordmannes gehen, der nichts ahnend in die Bundeshauptstadt umgesiedelt ist. Es sollte ja allgemein bekannt sein, dass die Bewohner bestimmter Regionen auch bestimmte Vorlieben und Verhaltensweisen haben.

Die Sprache ein Fall für sich

Dialekte sind schön, zumindest manche. Während wir in Norddeutschland immer noch einen starken Plattdeutschen Einfluss haben und die Hamburger über den zpitzen Ztein stolpern, sind die Bayern a paar dammische Murmeler. Den Sachsen dichtet man oftmals ein wenig mangelnde Intelligenz an… na ei verbübsch. In Berlin (und Brandenburg) hingegen kommt sich ein „Ausländer“ vor, als hätte er irgend etwas böses angestellt. In den ersten Wochen war ich doch recht erschrocken über die rabiate Ausdrucksweise, sie in Kiel noch als beschimpfend und beleidigend aufgefasst werden würde. Dass das gar nicht so gemeint ist, wurde mit erst viel später klar.

Wer einen Berliner bestellt, bekommt Pfannkuchen

Ein weiteres einschneidendes Erlebnis war für mich ein Angebot einer Arbeitskollegin  die mir einen Pfannkuchen anbot. Verdutzt schaute ich mich im Büro um und fragte mich, wie zum Teufel will sie jetzt einen Pfannkuchen machen? Nirgends war ein Herd oder eine Bratpfanne in Sicht, dass es sich dabei um das in Norddeutschland Berliner genannte Siedegebäck handelte, bemerkte ich erst, als sie von Bäcker wieder kam. An die Schrippen (Brötchen) habe ich mich allerdings recht schnell gewöhnt, hießen die Dinger in Kiel doch Knackfrische. Bei der Currywurst wurde es dann doch ein wenig kompliziert: Mit oder ohne Darm? Hä, da gibt es mehr Alternativen von? Nun gut. ich habe mich entschieden möglichst wenig Currywurst zu komsumieren, um eventuellen Verwicklungen aus dem Weg zu gehen.

In Kiel kostet ein deutsch-türkisches Fastfood im Fladenbrot im Schnitt 4,50 Euro, da war ich doch ein wenig erschrocken, dieses hier in Berlin schon für 1,50 Euro zu bekommen. Allerdings bemerkte ich recht schnell, an welcher Stelle da gespart wird. Ich habe bis dato noch keinen Dönerladen bekommen, in dem das Ding geschmeckt hätte. Im Gegenteil: Mehr als einmal hatte ich noch zwei Tage lang was davon, indem ich ständig auf Klo rennen durfte. Konkurrenz ist halt nicht immer gut. In meiner Straße befinden sich auf 800 Meter 5 Dönerläden, die sich gegenseitig zu unterbieten versuchen.

Wenn einer eine Reise tut

Klar, Berliner ist etwas größer als Kiel, aber nur etwas. immerhin muss man, wenn man in Kiel von der einen auf die andere Seite will, einmal rund um die Förde fahren. Berlin bietet jedoch ganz andere Dimensionen. Von der einen zur anderen Seite hat man schnell mal 50 Kilometer auf der Uhr. Da wäre man in Norddeutschland schon fast in Hamburg. Was ich aber zugeben muss: Trotz der anhaltenden Probleme, die die S-Bahn hat, der Öffentliche Personennahverkehr ist gut ausgebaut.

Direkt neben meiner Haustür ist die Bushaltestelle, wo unter der Woche alle 6 Minuten ein Bus kommt. Der bringt mich dann zum Spandauer Rathaus, wo ich aus verschiedenen Verkehrsmitteln und Routen auswählen kann: Bus, U-Bahn, S-Bahn und Regio. Von solchen Verhältnissen träumt man an der Förde. Bus verpasst = 20 Minuten warten, wenn es gut läuft. Auch kommt man hier überall hin, manchmal mit viel umsteigen, aber es geht. Mein (noch) Arbeitsweg führt mich 35 Kilometer quer durch Berlin. Bus > U-Bahn > S-Bahn > Tram und schon bin ich da… nach 70 bis 80 Minuten :-) Wie das ist, habe ich Euch bereits einmal berichtet.

Was ist Heimat

Auch wenn ich ein Zugewanderter bin, fühle ich mich in Berlin inzwischen recht heimelig. Nur ab und zu vermisse ich die Strandspaziergänge, doch habe ich in Spandau genug Alternativen. Ich könnte mir gar nicht vorstellen in den Prenzlberg oder nach Mitte zu ziehen, brauche ich als Junge vom Dorf (Kiel und Laboe) doch die Nähe zur Natur. Das ist wohl auch ein Grund, warum wir uns jetzt auf die Suche nach einem haus gemacht haben, doch das scheint nicht so einfach zu sein, wie man manchmal denkt…

Spandauer Forst

Wer sich übrigens wundert, wie ich dazu komme gerade heute darüber zu schreiben: Jan Tißler, der einige Monate in San Francisco lebt, hat einen interessanten Beitrag zur „Sprachkultur“ der Amerikaner bei Google+ veröffentlicht und Detlef Henke ist ein „Leidensgenosse“, der mit Berlinern und Pfannkuchen ebenso seine Probleme hat.

[Titelbild: Gordon Gross  / pixelio.de]