Phonophobia  © Europa / Sony BMG

Phonophobia © Europa / Sony BMG

Das ich ein Fan der drei Fragezeichen bin, habe ich vor einer Weile bereits kund getan. Nun ist es aber soweit und Ihre neue Tour Die drei ??? – Phonophobia – Sinfonie der Angst hat begonnen. Premiere war am Sonntag den 09. März im Berliner Friedrichstadtpalast. Da die Karten für diese Vorstellung bereits am 01.03.2013 – ja 2013 – ausverkauft waren, bekam ich nur noch welche für den darauf folgenden Montag und das auch noch in der schlechteren Preiskategorie. Mutig kaufte ich gleich zwei Karten, denn mein Junior (10) war zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht mit den drei ??? warm geworden. Wie wir nun den Abend erlebt haben, erfahrt ihr in meiner absolut subjektiven Kritik.

Um eines vorweg zu nehmen: Aufgrund der Location konnte nicht die gesamte Bühnentechnik aufgebaut werden. So fehlte beispielsweise die, in der Tourbeschreibung erwähnte, LED-Wand. Auch die Sitzplätze (Parkett C links) waren schlecht gewählt, da wir so immer nur Bob (Andreas Fröhlich) von der Seite aus sehen konnten und einiges an Performance der drei verpasst haben.

Die Einstimmung

Meine erste Livetour durfte ich 2010 in der Berliner Waldbühne mit Der schreiende Wecker – Live and ticking erleben. Neben der besonderen Location haben wohl auch die 15.000 drei ??? Fans dazu beigetragen, dass die Stimmung bereits im Vorfeld gut war. Dies konnte man vom Friedrichstadtpalast leider nicht sagen, obwohl die Atmosphäre eigentlich intimer hätte sein müssen. Wegen des fehlenden Bühnenbildes standen die Mikrofone einsam und verlassen da. Es fehlte ein wenig an einstimmender Musik, die ich in der Waldbühne noch erlebt habe und das Publikum auf das was kommen wird neugierig macht.

Die Show

Hier beginnt der Spoileralarm. Wer sich die komplette Spannung erhalten will, sollte nicht die unkenntlich gemachten Textpassagen lesen. Wer es will: ein Klick genügt.

Spannungsvolle Musik und Lichteffekte eröffnen die Show. Es werden Stimmen eingespielt, die einem allerdings unverständlich bleiben, da sie auf [spoiler]japanisch[/spoiler] sind. Möglicherweise schafft hier die LED Wand Abhilfe. Zumindest macht die Eröffnungsszene den Eindruck, als wäre sie direkt darauf zugeschnitten. So saßen wir ein wenig fragend da und warteten auf die Fortsetzung. Der Auftritt der drei ???, Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich ging im donnernden Applaus unter, während kurz vorher die weiteren Sprecher Traudel Sperber, Tanja Fornaro und Stefan Krause eher zaghaft begrüßt wurden.

Im Laufe der Show konnte man hören, welche Plätze sich die eingefleischten Fans gesichert haben. Der Applaus und Begeisterungsstürme kamen hauptsächlich aus der Mitte der Zuschauerreihen.

Die drei ???  © Christian Hartmann

Die drei ??? © Christian Hartmann

Im Gegensatz zum schrecklichen Wecker haben sich unsere Protagonisten erstaunlich selten verhaspelt. Einige der Gags wirkten eher einstudiert, was sich aber sicher mit der Zahl der Auftritte noch ändern wird. Auch Zwischenrufe aus dem Publikum kamen eher selten vor. Routiniert haben alle Sprecher ihre Rollen verkörpert. Mal mit mehr, mal mit weniger Körpereinsatz. In der zweiten Hälfte der Show gab es dann eine [spoiler]Tanzeinlage[/spoiler] der drei ???.

Das Ende der Show kam wohl nicht nur für mich ein wenig überraschend. Scheinbar hat der Rest des Publikums auch noch etwas erwartet, anders kann ich mir die beinahe traurige Verabschiedung nicht erklären. Gerade für die Nebenrollen fiel der Applaus, völlig zu unrecht, ungewöhnlich zaghaft aus und während die Akteure noch auf der Bühne standen, verließen viele bereits den Saal. Traurig.

Meinen Respekt haben nicht nur die drei ???, sondern insbesondere auch die weiteren Sprecher, sowie die Musiker, die für eine stimmungsvolle Untermalung gesorgt haben.

Die Story

Ich möchte nicht zuviel verraten und eine kurze Zusammenfassung kann man ja ohnehin auf der offiziellen Seite lesen:

„Die drei ???“ Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews bei einer Heißluftballontour auf einem Felsplateau notlanden. Da ahnen sie noch nicht, dass sie in dieser Einöde ein neues Rätsel erwartet. Sie geraten in ein mysteriöses Institut, in dem ein Orchester mit Klängen die Illusion von Farben, Gerüchen und Geschmäckern beim Zuhörer erzeugen kann. Dass diese Wunderwelt ihre Schattenseiten hat, zeigt sich spätestens, als die drei Detektive auf Chloe treffen, die sich heimlich eingeschlichen hat, um ihre verschollene Schwester zu suchen. Chloe vermutet, dass der geheimnisvolle Orchesterleiter Yamada ihre Schwester Fran für dunkle Machenschaften missbraucht und gegen ihren Willen festhält. Gemeinsam mit Chloe machen „Die drei ???“ sich auf die Suche nach Fran und entdecken das dunkle Geheimnis um Yamadas Racheschwur: Seine Sinfonie „Phonophobia“ wird zu einer der größten Gefahren, denen „Die drei ???“ je zu trotzen hatten…

Deswegen möchte ich nur meinen Eindruck dazu kundtun: Die Geschichte ist nicht schlecht, doch habe ich in den Hörspielen schon bessere gehört. Die Musik, die in diesem Fall im Mittelpunkt stehen soll, führt meiner Meinung nach nur ein Randdasein. Einige Entwicklungen sind überraschend, doch nicht immer logisch, so unter anderem, als [spoiler] die drei ??? irgendwo im Institut auf den intelligenten Computer der Mund stoßen, der scheinbar ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat. Auf der einen Seite scheint scheint er/sie ein Fan der drei zu sein, auf der anderen versucht er sie herein zu legen.[/spoiler]

Wieder gehe ich davon aus, dass die fehlende Bühnentechnik einen Einfluss auf die Wahrnehmung der Handlung haben kann. Ob dies so ist, werde ich wohl erst im August feststellen, falls ich noch Karten für die Berliner Waldbühne bekommen kann.

Fazit

Trotz meiner Eindrücke würde und werde ich jederzeit wieder in dieses Livehörspiel gehen. Ich kann es nicht nur eingefleischten Fans, sondern auch Newcomern empfehlen. Allein dabei zu sein, wie mit Sprache, Musik und, von Jörg Klingenberg perfekt gemachten, Geräuschen eine Welt im eigenen Kopf entsteht ist unbezahlbar. Die Fangemeinde tut ihr übriges dazu. Ich freue mich auf den August.

Und wen interessiert, wie mein Junior (10) die Show fand: Beide Daumen nach oben. Der ist dann um Mitternacht endlich todmüde ins Bett gefallen…