iphone5s

Jetzt ist es raus. Apple hat gestern in seiner Keynote nichts wesentlich neues vorgestellt. Das iPhone 5S ist wie erwartet genauso groß, wie das alte und das iPhone 5C ist kein Billig-iPhone. Im Netz überschlagen sich die Kommentare und ich will nicht zurückstehen.Die größte Überraschung ist wohl, dass es keine Überraschung gab. Im Vorfeld haben sich die Blogs mit Gerüchten, Mockups und angenommenen technischen Daten gegenseitig die Bälle zugespielt. Für das iPhone 5S war klar, dass das Display bei 4 Zoll bleibt. Eine wie Apple sagt ideale Größe. Warum sollten sie auch dem Trend der anderen Hersteller folgen, die bei jeder Neuvorstellung 0,5 Zoll hinzu geben, sodass die (gefühlte) durchnittliche Diagonale inzwischen 5,5 Zoll beträgt. Für mich mit meinen Pranken sicherlich noch einigermaßen zu bedienen, andere dürften dabei aber ihre Probleme haben.

Den größten Aufschrei nach der gestrigen Keynote hat wohl das iPhone 5C nach sich gezogen. Von Billig iPhone war im Vorfeld die Rede. Allerdings nur durch die einschlägigen Blogs und Medien. Offiziell hat Apple nämlich nie bestätigt, dass es billig sein würde. Plastik iPhone schreien andere. Klar, das iPhone 3 (GS) scheint bereits aus dem Radar der Kritiker verschwunden zu sein, denn erst mit dem iPhone 4 beschritt Apple den Weg weg vom Plastik, hin zu Aluminiumm und Glas. Einen Trend, dem zumindest Google mit dem Nexus 4 gefolgt ist. Das iPhone 5 glänzte dann mit Metall auf der Rückseite. Also ist Plastik bei iPhones nichts neues.

Interessant ist allerdings die Diskussion um den Fingerprint Sensor des iPhone 5S. Im Zuge des NSA Skandals sicherlich ein schwieriges Thema, auch wenn Apple versichert, dass die verschlüsselten Daten immer nur auf dem Gerät verbleiben und nicht in die Cloud gesendet werden. Wirklich? Das zu glauben ist schwierig. Gerade in Bezug auf die neuesten Enthüllungen, dass die NSA Zugriff auf unsere Telefone haben soll. Was die Versprechungen angeht, bin ich nicht so sehr davon überzeugt. Immerhin hat Innenminister Friedrich auch gesagt, die NSA würde uns nicht abhören und ein gewisser Herr Namens Ulbricht sagte einmal: Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten. Wo das hingeführt hat, wissen wir alle.

Angeblich sollte übrigens das LG G2 auch mit einem rückseitigen Fingerabdrucksensor kommen. Da hat aber niemand aufgeschrieen.

Kommen wir zu den Kommentaren zu den Kommentaren

Sascha Pallenberg kommentiert auf MobileGeeks.de den Preis des iPhone 5C folgendermaßen:

Ehrlich, der Preis des iPhone 5C war die eigentliche Ueberraschung eines Events, welches nicht einen einzigen Hoehepunkt hatte… von daher Cheers an die Marketing-Abteilung, mit dem UVP (der bei Apple alles andere als unverbindlich ist) des 5C habt ihr den Vogel endgueltig abgeschossen.

Gut, hier ist es nunmal so, wie ich oben schon geschrieben habe: Außer den Bloggern hat niemals jemand von Billig iPhones geschrieben… und von Apple darf man keine Kampfpreise erwarten. Apple ist und bleibt teuer.

Michael Müller von BasicThinking kommt zu folgendem Fazit:

Zwar hat Apple am heutigen Abend nicht das Rad neu erfunden, jedoch mehrere logische Schritte im Zuge einer strategischen Umpositionierung gemacht. Der Kult-Konzern ist nicht mehr länger der stylische, exklusive und sauteure Design- und Innovations-Taktgeber. Vielmehr ist Apple zu einem von vielen Hardware-Herstellern geworden.

Nun ja. Sau teuer ist Apple in meinen Augen zwar immer noch, doch zielt Apple mit den bunten Farben des iPhone 5C auf eine hippere Käuferschicht. Die unglaublich tollen Cover, die es jetzt auch direkt von Apple gibt, ermöglichen viele neue Farbkombinationen. Als gäbe es nicht schon genug iPhone Cover. Bei meinen Streifgängen durch die einschlägigen Geschäfte finde ich von Holzimitat bis quietschbunt bereits alles, was die Farbpalette hergibt, Also sind farbige iPhones nicht gerade innovativ.

In die Bresche mit der Vielfalt springt auch Cashy mit seinem Kommentar:

Neben den eigentlichen Smartphones gab es auch Hüllen, die sich wunderbar kombinieren lassen. Lifestyle-Produkte, zurück dort hin, wo Apple einmal war. Das iPhone 5C ist unverschämt teuer, dafür aber mit Hülle in 25 Farbkombinationen erhältlich. Individualisierung made by Apple. Selbst das Top-Modell iPhone 5S erhält 5 verschiedene Schutzhüllen und bietet so in Kombination mit den drei erhältlichen Gerätefarben 15 Kombinationsmöglichkeiten.

Allerdings finde ich den Titel Wie Apple mit 2 Geräten sein Portfolio um 40 Geräte erweiterte nicht gerade passend. Dann würden die Autohersteller nämlich ebenso viele Modelle anbieten können, zieht man die vielen Sondermodelle in die Rechung mit ein. Dies hat ein Kommantator auf seinem Blog ganz richtig festgestellt.

Aus dem „Apple Lager“ geht Sebastian Gebert von appleblub.de davon aus, dass das Plastikgehäuse des iPhone 5C weniger Schönheitsfehler mit sich bringen wird:

Durch mögliche Reklamationen wird Apple Geld einsparen. Alleine die Personalkosten sollte man nicht vernachlässigen. Auch schafft sich Apple einen zusätzlichen Markt, und könnte bei den Teens wieder als Hipp wahrgenommen werden. Denn bisher wirkte ein iPhone zwar edel, aber nicht so “cool” wie ein Samsung Handy. (Nicht meine Meinung) Diese Käufer möchte man nun ansprechen und wird diese ansprechen. Und durch die steigenden Preise in den letzten Jahren beim iPhone, hat man die Möglichkeit alte und auch neue Kunden wieder zugewinnen. Oder den Zögerlichen Kunden einfacher zu machen.
Lange Rede kurzer Sinn, das iPhone 5c wird Apple mehr Kunden bringen, die Produktionskosten senken und somit den Gewinn erhöhen.

Gut möglich. Aber auch Plastik kann brechen und zerkratzen. Ob es wirklich mehr Kunden bringen wird glaube ich persönlich nicht. Es fehlt allgemein an einer Innovation, die neue Käufer anziehen würde. Bunt kann das iPhone schon lange, durch die Millionen Cover von Drittanbietern.

Heise.de gehörte wie so viele zu den Seiten, die im iPhone 5C einen preislichen Konkurrenten für die Masse an Android Smartphones erwartet hatten:

Was haben wir im Mobilressort spekuliert, als die Gerüchte um ein billiges iPhone konkreter wurden. Das iPhone 4 kostet 400 Euro, also darf doch so ein Plastikbomber höchstens 350 kosten, sagte einer. 299 schätzte ein anderer Kollege, als direkter Konkurrent zum Nexus 4 vielleicht. Höchstens 429 sagte der nächste, um neben den ganzen Mini-Varianten der Spitzen-Androiden (One Mini, S4 Mini, Z Mini) bestehen zu können. Der Kollege, der auf 450 Euro tippte („es ist neuer als das alte 4er, also wird es auch teurer sein“), wurde einhellig belächelt.

Nun, Apple will scheinbar nicht überall mitspielen. Ich persönlich habe es auch nicht anders erwartet. Warum sollten sie sich auch in einen Markt drängen, der bereits dermaßen überlaufen ist? China mag zwar ein großer Markt sein, doch glaube ich nicht, dass sich die Mehrheit wirklich (originale) Smartphones mit einem Kaufpreis über 200 Euro leisten könnte. Dort ist die Schere zwischen Arm und Reich nämlich viel größer als in unseren Gefilden. Der Markt betrifft also hauptsächlich die Bevölkerungsgruppe, die sich auch 600 Euro leisten kann.

Mein Fazit

Mit dem iPhone 5S und dem iPhone 5C hat Apple dort weiter gemacht, wo es mit dem Weggang von Steve Jobs aufgehört hat. Weg von innovativen Ideen, hin zu einer evolutionären Weiterentwicklung. Der Dampf ist raus und es dürfte eine ganze Weile dauern, bis die Öffentlichkeit von etwas Neuem überrascht werden wird. Allerdings steht Apple damit nicht alleine da, wie ich auf der diesjährigen IFA feststellen musste. Keiner der großen in der Branche konnte wirklich etwas neues vorweisen. Es bleibt im Moment beim größer und schneller, wobei Apple lediglich auf das größer verzichtet hat. Somit sollten sich diejenigen, die sich über Apples gestrige Keynote lustig machen, mal umschauen und mir den Hersteller zeigen, der wirklich etwas neues präsentiert hat.